Angepinnt Wie drehe ich einen Film? 10 goldene Regeln für EIGENE Filme

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    • Wie drehe ich einen Film? 10 goldene Regeln für EIGENE Filme

      Bones' 10 goldene Regeln für EIGENE Filme


      1.) Glaube keinen Regeln!
      Nur Daily-Soaps und TV-Massenware lassen sich mit Kochbuchregeln verwirklichen. Du kannst von Alt- und Jungmeistern des Films lernen. Zitiere sie ruhig, aber kopiere sie nicht. Es gibt keine Universalformel, wie man diese oder jede Szene auflöst. Alles hängt davon ab, was Du darstellen möchtest, und alles ist möglich! Und wenn Du meinst, dass Dein Film eine Szene braucht, in der die Kamera 5 Minuten unbewegt eine Einstellung hält, dann tu es, auch wenn alle anderen sagen, dass heutezutage schnell geschnitten wird. Große erfolgreiche Regisseure sind immer dadurch aus der Masse hervorgetreten, dass sie sich nicht an bestehende Regeln gehalten haben.

      2.) Trau Dich!
      Gerade im Bereich des Low-Budget- und Amateurfilms gibt es viele Leute, die Dir genau erzählen können, was alles unmöglich ist und warum das so ist. Ignoriere sie und glaub ihnen nicht! Wenn Du für Dich selber glaubst, einen Weg gefunden zu haben etwas umzusetzen, dann tu es! Die erstaunlichsten Filme im Amateurbereich, waren immer die, die sich von nichts haben abschrecken lassen.

      3.) Nutze Deine Mittel!
      Sieh genau hin, welche Mittel Du hast und nutze sie konsequent. Auf welche interessanten Locations hast Du Zugriff? Welche Schauspieler hast Du und wo liegen ihre Stärken? Wer kann Dich sonst noch unterstützen (Ton, Maske etc.)? Nutze was Du hast und hole das Beste heraus, denn es ist alles was Du hast!

      4.) Play the game!
      Ein Film mit Spielhandlung ist Teamwork, wenn es nicht gerade ein Animationsfilm ist. Zwar bist Du der Initiator, der Regisseur, der Drehbuchautor, aber Du bist kein Hollywood-Star-Regisseur mit Zugriff auf die Schauspieler-A-Liste und unbeschränkten Geldmitteln, der mit dem dem fertigen Film im Kopf nur noch Befehle erteilen muss. Viele Deiner Mitarbeiter arbeiten wahrscheinlich kostenlos, für einen Hungerlohn oder für Anteile. Du musst das Team bilden, es zusammenhalten, es motivieren, es streicheln, es im Zaum halten. Und das Wichtigste: Nutze seine Möglichkeiten! Verschenke nicht die Ideen und Talente Deiner Teammitglieder, weil Deine Vorstellungen zu festgefahren sind. DV-Material ist billig und es kostet Dich nichts, andere Ideen auszuprobieren. Und wenn Du Deine Filmidee richtig vermittelt hast, wirst Du Dich beim Schneiden wundern, wie gut manch fremder Einfall in Dein Konzept passt.

      5.) Sei glaubwürdig!
      Schnell erliegt man der Faszination des eigenen Werkes auf dem Bildschirm oder der Leinwand. Seinen Film oder sich selbst im Kinolook dort zu sehen ist ansich schon klasse. Aber sieht ein Zuschauer, der nicht am Entstehungsprozess beteiligt war, das genauso? Sind die Figuren glaubwüridg? Besonders unglaubwürdig sind meist sehr junge Darsteller, die deutlich ältere Personen spielen sollen. Oder Amateurschauspieler, die ihre Emotionen sehr expressive darstellen. Häufig hast Du als Amateurfilmer nicht die größte Auswahl an Schauspielern. Gib ihnen Raum ihre Rollen anzupassen, lege die Figuren entsprechend an und nimm die Emotionen zurück. Die Wirkung beim Zuschauer wird deutlich stärker sein.

      6.) Schalte die Automatik aus!
      Was haben Autofokus und Belichtungsautomatik mit Spielfilmen zu tun? Nichts! Beschäftige Dich mit Deiner Kamera, so oft es geht, damit Du sie blind beherrschst.

      7.) Finde den Rhythmus!
      Häufig wird versucht einer Szene oder einem ganzen Film mit Gewalt ein Tempo oder ein Rhythmus aufzuzwingen, den er eigentlich nicht hat, um ihn an die (fragwürdigen) Sehgewohnheiten von TV-Massenware anzupassen. Vergiss diesen Zwang und kümmere Dich zunächst nur um den Film und die Bildsprache, die Du im Kopf hast. Versuche den eigenen Rhythmus und das Tempo einer Szene zu erspüren und montiere sie im ersten Schnitt danach. Nur Actionreisser mit Minimalstory ohne Tiefe und Billigfilme leisten sich Tempo zum Selbstzweck. Alle Meisterregisseure nutzen Rhythmus und Tempo als Gestaltungswerkzeug und ihre Filme haben eine große Dynamik, manchmal sogar Gegenläufigkeit.

      8.) FX: Basics first!
      Die stärksten und beeindruckensden Bilder, die Du dem Zuschauer liefern kannst, sind die in seinen Kopf. Es gibt Horrorschocker, die ohne einen einzigen Spezialeffekt auskommen und trotzdem zu den beängstigsten Filmen aller Zeiten gehören, weil der Schrecken im Kopf des Zuschauers stattfindet. Es gibt Filme, die ein FX-Feuerwerk abbrennen und trotzdem nur langweilen. Die wichtigsten Basics der FX sind Schauspieler, Kamera, Licht und Montage. Wenn Du hier schon Fehler machst, muss jeder noch so teure SFX oder VFX wegen Unglaubwürdigkeit scheitern.
      Setze Effekte nicht zum Selbstzweck und verwende nur die, die Du auch beherrschst.

      9.) Experimentiere nicht!
      Wenn Du experimentieren möchtest, dann tu das mit privaten Filmversuchen, aber langweile nicht den Zuschauer damit. Ein Filmemacher, der mit seinem Werk vor das Publikum tritt, sollte das, was er zeigen will bereits gefunden haben.

      10.) Wenn Du Filme machen möchtest, dann filme!
      Wenn Du wirklich Filme machen möchtest, dann fang an! Nimm Dir eine Kamera oder beginn ein Drehbuch zu schreiben oder beginne mit konkreten Planungen. Beginne jetzt und nicht morgen. Und verbrauche Deine kreative Energie nicht für andere Dinge.


      Viel Erfolg!


      Bones, 2004

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Bones ()

    • Hi,
      die Punkte gehören in den Status wichtig gesetzt!
      :hurra: Ich finde, deine Regeln sind wichtiger als jede Anleitung "Wie mache ich einen Film?", vorallem Punkt 8, 5 und 3 finde ich für Hobbyfilmer am wichtigsten.

      Tschüss und Gut gemacht Joschi
    • Hallo!

      Eigentlich hatte ich meine 10 Punkte ja in eine andere Rubrik gesetzt, weil dort auch Wills Tut stand (kannste übrigens gerne verwenden, aber bitte den Titel lassen). Ich habe die nämlich ganz bewußt <i>Bones goldene Regeln</i> genannt, weil es meine privaten Leitlinien sind und keinen Anspruch auf dogmatische Allgemeingültigkeit erheben.
      Noch nie gab es solche Möglichkeiten für den Amateurfilm, und ich hoffe sehr, dass er seine Freiheit nutzt. Denn der kommerzielle Film bietet uns - gerade heute - zu mindestens 80% Müll. Ich habe was gegen Film-Kochbücher; gegen Profis, die den Amateuren, jeden Mut nehmen; gegen Filme, die sich völlig grundlos dem Mainstream-Diktat unterwerfen. Es gibt immer Leute, die euch sagen so und so musst Du das machen und diese oder jene Technik musst Du haben, sonst gibt das nie was. Die Regisseure, die zu den ganz großen zählen und/oder innovativ sind/waren, haben solche Reden immer in den Wind geschlagen.
      Als George Lucas <i>Star Wars</i> ausgeheckt hat, war er arbeitslos, hat vom Geld seiner Frau gelebt, die als Cutterin arbeitete, und ist mit seiner Idee von Studio zu Studio gelaufen, und keiner wollte sie haben. Tarantino ist ein ehemaliger Videothekenangestellter, der alles, was er gesehen hat und toll fand, zu seiner eigene Melange verschmolzen hat. Lars von Trier hat mit seinen Dogma-Film-Ideen und Filmen wie <i>The Kingdom</i> oder <i>Breaking the Waves</i> erfolgreiche Sachen gemacht, die weit von allen Sehgewohnheiten entfernt sind. Auch Hitchcock oder Godard haben die Dinge so gemacht, wie keiner vor ihnen, und gegen alle Regeln. Mit <i>28 Days Later</i> und <i>Die fetten Jahre sind vorbei</i> sind Filme im Kino, die auf Mini-DV gedreht wurden. Premiere zeigt kleine Mini-DV-Spielfilme, wie z.B. <i>Koks oder nie</i>. Was heute mit aktueller Effekt-Software möglich ist, war vor Jahren nur den Hi-Tech-Studios vorbehalten.
      Warum soll ich mir da noch von irgendjemandem erzählen lassen, dass ich Filme nur auf eine bestimmte Art machen kann?

      Allerdings räume ich ein, dass ich totalen Müll und Schwachsinn auch verkaufen kann, wenn ich auf teurer Technik drehe, was das aktuelle Fernsehprogramm ja eindeutig beweist. :rauch:


      Gruß

      Bones
    • "Skyhawk2" schrieb:


      coole Regeln aber erst schreibst du Trau dich und dan Experementiere nicht!


      Das ist kein Wiederspruch. Ich sehe Bildsprache jenseits von Hollywood-Standarts nicht als Experiment. Wenn Du eine bestimmte Idee im Kopf hast, etwas filmisch aufzulösen, dann solltest Du es tun, auch wenn es nicht den Sehgewohnheiten von aktuellen Kino- und Fernsehfilmen entspricht.

      Mit Experimentieren meine ich die Situation, wenn man keine Ahnung hat und einfach rumprobiert, ohne die Überzeugung zu haben, dass es so funktionieren könnte. Gerade dann, wenn Du einen Haufen Leute motiviert hast Dein Projekt zu unterstützen und mitzuwirken, hast Du denen gegenüber die Verantwortung, Dir intensiv Gedanken zu machen, wo die Reise hingehen soll, und am Set genau zu wissen, was Du tust. Wenn Du Zweifel hast, ob etwas funktioniert, dann solltest Du es in der Vorbereitungsphase ausprobieren. Denn wenn Du ohne echte Idee einfach etwas versuchst, ohne davon wirklich überzeugt zu sein, langweilst Du nur den Zuschauer und hast die Arbeit der anderen Mitarbeiter verschossen. Besser ausgedrückt: Sei gut vorbereitet und sei Dir sicher, was Du tust!

      Ansonsten euch allen :) frohe Weihnachten und guten Rutsch!
    • Ja so sehe ich das eigentlich auch. Wie will man seine eigenen individuellen Steil finden wenn man alles abschaut und Hollywood nacheifert.
      Allerdings ist das alles andere als leicht, seine eigenen Steil zu finden und sich nicht an das Geschwätz anderer zu halten. Aber, genau das ist wohl die Herausforderung. :o
    • "Pittrock" schrieb:

      Ja so sehe ich das eigentlich auch. Wie will man seine eigenen individuellen Steil finden wenn man alles abschaut und Hollywood nacheifert.
      Allerdings ist das alles andere als leicht, seine eigenen Steil zu finden und sich nicht an das Geschwätz anderer zu halten. Aber, genau das ist wohl die Herausforderung. :o


      *pst* es heißt "Stil"


      Achja, da kann ich dir nur zustimmen, ich hab zwar selbst noch keinen Film gedreht, aber wenn ich mir den Plan zu dem, den ich drehen will so anschaue, wirkt das wie 'ne Mischung aus "der Wixxer" und Bully...

      Und gut bemerkt man das auch bei der Musik in unserer Band geht's ständig so:
      "Nää, klingt zu sehr nach Rammstein"
      "Ok, ändern wir das so und so"
      "Näää, dann klingt's nach In Extremo"
      "Und so?"
      "Nein, jetzt klingt's wie Nirvana..."

      :ugly: (wir sollten den hier einführen!!!)
      Wissen ist Macht, verberge es gut!!!
    • Ich glaube nicht, dass Du zu angestrengt nach dem eigenen Stil suchen solltest. Mach einfach, was Du meinst, was Deine Idee verlangt, zieh es durch. Ich bin kein Feind der Filmsprache aktueller Hollywood-Produktionen, aber man sollte sich gerade als Amateur nicht sklavisch daran halten. Viele der besseren Hollywood-Streifen sahen im Orginalschnitt des Regisseurs ganz anders aus. Die Kinoversionen bekommen ihre Endschnitt häufig durch den Produzenten, der dann das FSK-Alter senken will, oder weniger Kunst für ein einfacher gestricktes Publikum haben will, oder die Story vereinfachen will, weil er die Zuschauer für zu blöd hält. Viele gute "Steaks" werden so in "Cheeseburger" verwandelt. Du als Amateur hast die Probleme eines kommerziellen Regisseurs nicht. Und genau das ist die Chance!

      Gruß

      Bones
    • Ich kann mich irren, aber mir kommen diese Zeilen sehr bekannt vor. Ich möchte fast meinen, genau oder fast genauso diese Regeln habe ich schonmal gelesen. Mal schauen ob ich die Seite wiederfinde, ist bestimmt schon ein Jahr her. Möglich daß gemand zufällig fast das gleiche verfasst hat. Echt witzig, wenn man solche Regeln plötzlich nochmal ließt.
    • Das wäre ja interessant. Aber wahrscheinlich meinst Du die 10 Regeln von Frank Sauerland für digitales Filmen (digitales-filmen.de):

      DIE ZEHN GEBOTE DES GUERILLAFILMENS
      Von Schauspielern, Schnappschüssen & Toiletten

      1. Mach schnell
      2. Der Film im Kopf
      3. Sei smart
      4. Lobe deine Schauspieler
      5. Take Five
      6. Halte das Team klein
      7. Sorge für Toiletten
      8. Teste den Ton
      9. Film, was du hast
      10. Liebe die Kamera

      Seine Regel 9 ist meiner 3 etwas ähnlich. Seine 10 und meine 6 sind nahezu identisch, aber eigentlich auch eine Selbstverständlichkeit.
      Eigentlich sind meine 10 Regeln zwar von verschiedenen Ideen inspiriert, aber trotzdem zu 100% auf meinem Mist gewachsen.

      Gruß

      Bones